
Mit einem Satz hatte sich der Reitlehrer disqualifiziert: „Das Pferd können Sie zum Schlachter bringen.“ Der Schüler, ein älterer Herr, hatte sein Pferd für gemütliche Ausritte angeschafft. Er war bemüht, alles richtig zu machen. Nun ging der Norweger im Gelände durch oder rempelte den Reiter am Boden schlichtweg um. Ideen, die Situation zu ändern, hatte der Lehrer nicht. Seine schnelle Analyse war: Unmögliches Tier. Folge: Der Schüler zog weiter.

Eine andere Anekdote, die Jahrzehnte früher spielt: Otto Lörke füllte im Unterricht seine Kopfbedeckung, die Melone, voll mit Dreck – und warf diesen seinen Schülern hinterher. Heute erzählen sich seine Schüler und Schülers’ Schüler diese Geschichte schmunzelnd. Geschadet hat ihnen das vermutlich kaum: Lörke wurden solche Ausbrüche nachgesehen. Er galt damals und heute als absolute Koryphäe. Natürlich waren die Zeiten andere, der Tonfall generell rauer.
Der große Unterschied dieser beiden Fälle: Manche Nachteile eines Reitlehrers sind akzeptabel, andere nicht. Aber was genau macht einen guten Reitlehrer aus? Wie findet der Reiter heraus, wer ihn weiterbringen kann? Die gängige Methode, um einen Trainer zu finden, ist: Sich umhören, mal bei einer Stunde zuschauen, dann ausprobieren. Doch ob es letztlich funktioniert, merken die meisten erst, wenn sie einige Stunden genommen haben, manchmal auch erst nach Jahren. Wenn dann ein Kurs wachrüttelt oder ein reiterliches Problem konstant nicht besser wird.
Foto: Thomas Rubel
Mehr über dieses Thema lesen Sie in der November/Dezember-Ausgabe des PFERDEMARKTS


